Das Sonnen-Gebet – Surya Namaskarnunsa-lembongan

1. Zu den Ursprüngen

Die Sonne steht symbolisch für die immer währende Kraft, das Leben zu spenden, aber auch zu zerstören. Die Sonne gilt als Gegenspieler des Monds und wurde aufgrund ihrer lebensspendenden und lebensregulierenden Funktion (Tag, Nacht) bereits bei den Naturvölkern, wie auch bei den ersten Hochkulturen (Ägypten, Mexiko, Peru)  als göttliches Wesen verehrt.

Das Surya (Sonne) Namaskar (Begrüßung, Verehrung), kurz Sonnen-Gebet, hat seine Ursprünge in Persien in der Verehrung des Gottes Ahura Mazda als höchsten und einzigen Gott.
In den Schriften der Veden wird der Gott Savitur (auch Savitar, Savitr) oder Surya als Ur-Quelle alles Erschaffenen verehrt.

Auf der körperlichen Ebene wird die Mond und Sonnenseite durch die Körperhälfte Ida und Pingala repräsentiert. Auch bereits der Begriff des Hatha-Yoga versinnbildlicht die gegensätzlichen Wirkungskräfte, deren Ziel die Einheit, der harmonische Gleichklang ist. Ha steht für das Sonnenprinzip (Pingala), Tha steht für das Mondprinzip (Ida). Auf spiritueller, symbolischer Ebene kann das Sonnen-Gebet auf mehreren Ebenen zur Verfeinerung des Bewußtseins und zur Erfahrung des „inneren Lichts“ als kosmische Energie eingesetzt werden.

2. Zur Symbolik des Sonnen-Gebets

Die kosmische Entstehung von Leben: Das Sonnen-Gebet steht für das Entstehen aus dem Nicht-Manifestierten in die Materie (Beginnend aus Samasthiti in den Bewegungsfluss)und ihre Rückbesinnung in den Zustand der Einheit durch das Mittel des Lichts (=Leben).

Die Evolution des Menschen: Die Aufgerichtetheit macht den Menschen zur Achse zwischen Himmel und Erde (Samasthiti). Die beugenden Stellungen (Uttanasana) gleichen den Pflanzen. Die knienden, stützenden Stellungen (Bhujangasana, Sprinter, Hund) erinnern den Menschen an das Entwicklungsstadium der Tiere. So durchläuft der Mensch im Sonnengebet die einzelnen Stationen der Evolution. Das Sonnen-Gebet ist somit Mittel zur Bewußtwerdung, dass jedes Wesen seinen bestimmten Platz in der Ordnung einnimmt  und gleichzeitig Ausdruck der Dankbarkeit und Anerkennung.

Der Rhythmus des Lebens/ Jahres: Das Sonnen-Gebet umfaßt wie das Jahr 12 Monate, 12 Stellungen. So steht das Sonnen-Gebet für den Jahreszyklus und darüber hinaus für den Zyklus der Inkarnation als Einheit von Geburt und Tod. Zudem umfassen die Stellungen gebende und nehmende Stellungen, die sich im Einklang befinden und somit die Versorgung des Menschen mit Lebensenergie sicherstellen.

Zwischen Himmel und Erde: Das Sonnen-Gebet umfaßt Haltungen, die sich zum Himmel orientieren (Samasthiti, Sprinter) und Haltungen, die sich in Richtung Erde orientieren (Uttanasana, Hund). Die öffnenden Haltungen stehen für das Loslassen, Weite, Sich-Öffnen, Sicht nach Außen, Empfangen, Annehmen und die schließenden Haltungen für das In-Sich-Gehen/ Integration, Zurückziehen, Innen-Sicht, Sich Verbeugen, Dankbarkeit und Darbietung, Hingabe an eine höhere Macht.
Von der Vertikalität (Eins-Sein in Tadasana) bewegt sich der Mensch in vollkommene Hingabe an die Erde in Asthanga Namaskar und findet danach wieder seinen Weg in die spirituelle Dimension bis hin zurück in die Aufrichtung.
a. Samasthiti/ Tadasana: Eins-Sein, In der Mitte, Achse zwischen Himmel und Erde, Aufgerichtetheit
b. Hasta Uttanasana/ Erhobene Hände: Öffnung, Erwachen des Menschen
1. Anjali Mudra/ Gruß-Stellung: Zusammenführen der dualen Energien, Vereinigung, „Ort der Versöhnung“, Verinnerlichen und Loslassen
Bahya Kumbhaka: Anhaltephase, Bewegungslosigkeit, Erwartung, Moment der Schöpfung, Urknall
2. Hasta Uttanasana/ Erhobene Hände: Öffnung, Geburt des Menschen, Eintritt in Dualität durch Trennung der Hände, Zuwendung an das Göttliche, langsam tritt das Materielle in Erwägung
3. Uttanasana/Tiefe Vorbeuge: Hingeben an die Materie, Verbeugung, Bewußtsein tritt stärker in Kraft
4. Ashva Sanchalanasana/Sprinter: Aktivierung der physischen/ psychischen Energie, Demut vor der Schöpfung durch das gewinkelte Knie, Weite des Brustkorbs/ Herzraums für Güte und Großzügigkeit, Mut, Kraft, Blick nach vorne steht für Aufrichtigkeit
5. Adharasana/ Planke: Blick zur Erde, Spannung steht für Festigkeit, Kraft; kurze Kumbhaka Phase, Stillstand), Kraft der Ruhe, bewußter Abstand zur Materie
6. Asthanga Namaskar/ 8-fache Niederwerfung: Symbol für die  vollkommene Unterwerfung. Stirnkontakt gilt als wichtiges Inkarnationsstadium für die Manifestation des Bewußtseins, Loslassen des Egos
7. Bhujangasana/ Kobra: Wendepunkt des Zyklus, Verbundenheit des Körpers mit der Erde, Oberkörper strebt in Richtung Himmel, in Richtung Entfaltung, Empfangen, Mut; Harmonie zwischen geistiger und materieller Welt durch das Einatmen, Harmonie des Gebens und Nehmens
Unteren 3 Chakras: sind den grobstofflichen Energien zugeordnet
Oberen 4 Chakras: sind den feinstofflichen Energien zugeordnet
8. Adho Mukha Svanasana/ Hund: Der Mensch sollte seine solide Position im Leben finden, Füße: Kontakt mit der Wirklichkeit; Hände: Idee des Besitzergreifens; Stellung der „Bewusstseinsergreifung“
Hände und Füße geben dem Kopf/ Geist die Möglichkeit, die Materie zu durchdringen Blick zum Nabel/ Sonnengeflecht: Hinwendung zur Energie; Dehnung der Körper-Hinterseite: Weckung der intuitiven Intelligenz
9. Ashva Sanchalanasana/Sprinter
10. Uttanasana/ Tiefe Vorbeuge
11. Hasta Uttanasana/ Erhobene Hände
12. Anjali Mudra/ Gruß-Stellung

Im Anhang findet Ihr die Das Sonnen-Gebet mit detailierten didaktischen Anweisungen, Korrekturen und Bildern.

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